Aufsätze über die 7 Vorsätze

Reformationsvorschläge für die Zukunft evangelischer Kirchen

Christozentrisches Profil (Tobias Kolb)

Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter. Das war das Glaubensbekenntnis der ersten Christen. Sie wählten den Fisch als Erkennungszeichen, weil die Anfangsbuchstaben dieser fünf Worte im Griechischen das Wort ΙΧΘΥΣ (gr. ichthys = Fisch) ergaben. Jesus Christus taucht auch im apostolischen Glaubensbekenntnis auf, welches in vielen Gottesdiensten Woche für Woche gesprochen wird. Wir bekennen ihn als gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes. Wir nennen uns „evangelisch“, wobei das Wort Evangelium sowohl die Berichte über das Leben Jesu, als auch die frohe Botschaft von seinem Sieg über Tod und Sünde bezeichnet. Wir taufen Kinder und Erwachsene auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, ganz nach dem Missionsbefehl Jesu und wir nennen uns Christen.

Doch wo ist Christus? Wer ist Christus? Was hat Christus mit uns zu tun?

Eine Antwort auf diese Fragen zu finden, ist in unserer Kirche mittlerweile oftmals eine Herausforderung. Nicht jeder Gottesdienstbesucher, geschweige denn jeder von uns Getaufte, weiß darauf zu antworten. Bei dem Stichwort evangelische Kirche in Deutschland denkt man an Politik, an Toleranz, vielleicht an Kultur oder Bildung, aber meistens ist die erste Assoziation nicht ihr Herr und Heiland Jesus Christus.

Es ist gut und wichtig, dass die Kirche eine Strahlkraft hat. Ohne eine solche wäre sie auch nicht mehr Kirche. Wenn Jesus im Zentrum steht, macht er uns zum Licht der Welt und scheint durch uns. Eine Kirche durch die Jesus scheint, ist auch eine Kirche die sich für die Schwachen einsetzt, eine Kirche, welche die Schöpfung im Blick hat und die auch ihre Schätze aus der Tradition weitergibt. Allerdings dürfen wir keine Kirche sein, die sich nach den Menschen richtet. Kirche hat Christus als Zentrum und trägt sein Licht in die Welt, ist sein Licht in der Welt, aber sie leuchtet nicht ohne ihn. Dort, wo keine klare Verkündigung mehr erfolgt, wo wir die Bibel nach eigenem Gutdünken auslegen, wo wir meinen aus Intellektualität oder falsch verstandener Rücksicht die Wahrheit der heiligen Schrift relativieren zu müssen, da verlieren wir als Kirche diese Strahlkraft. Wir sind dann nicht mehr Licht, sondern bloß noch Schein.

Zwei Dinge waren Martin Luther im Umgang mit der Bibel besonders wichtig: „sola scriptura“ – allein durch die Schrift – und „was Christum treibet“, das heißt die Bibel durch Jesus Christus zu verstehen. Er war einer von vielen Männern in der Kirchengeschichte, die die Kirche dazu aufgerufen haben wieder Jesus in den Mittelpunkt zu stellen. Die Kirche steht in jeder Zeit vor der Versuchung ihr Zentrum zu verlieren. Sie hat mächtige Feinde und falsche Freunde, die sie mit Drohen und Locken dazu bringen wollen, ihr Fundament und ihren Bräutigam zu verlassen. Diese Angriffe und Versuchungen finden auf vielen unterschiedlichen Schlachtfeldern statt. Sie sind überall sichtbar, wo das Misstrauen gegenüber Gottes Wort genährt wird, aber auch da, wo Glaube statt einer lebendigen Hoffnung zu einem lieblosen Verstandeskonstrukt wird. Die Kirche verrät sich selbst, wo man aus Menschenfurcht verlorenen Menschen Gottes Wort verschweigt und den Befehl zur Verkündigung verweigert. Auch da, wo Glaubensbrüder aufeinander losgehen und sich gegenseitig den Glauben absprechen, sind ein Kampf und ein Missstand sichtbar. Denn wo Lieblosigkeit, Kurzsichtigkeit und Hochmut ein Miteinander der Christusgläubigen verhindern und man schlecht übereinander spricht, kann der Heiland wohl kaum der Mittelpunkt des Geschehens sein. Genauso wenig dort, wo man in faulen Kompromissen alles über Bord wirft, was man doch eigentlich bekennen sollte. Auch in der Erziehung und Ausbildung befindet sich ein Schlachtfeld, wenn von vornherein nicht die richtigen Grundlagen gelegt werden. Wo getaufte Kinder nicht im Glauben erzogen werden und der Konfirmandenunterricht ohne nennenswerte Kenntnisse von Bibel oder Bekenntnissen unserer Kirche absolviert werden kann, ist das ein Armutszeugnis für unsere Kirche. Wenn das Ziel einer theologischen Ausbildung die „Zerstörung des Kinderglaubens“ zu sein scheint, dann ist das keine Ausbildung die einem Lehrer und Hirten in einer christlichen Gemeinde zuträglich ist. Und auch die Familie, die Keimzelle von Gesellschaft und Gemeinde steht unter Beschuss. Wo Begriffe wie Familie oder Ehe der Beliebigkeit preisgegeben werden, kann dies wohl kaum ohne einen Bruch in der Beziehung von Christus zu seiner Braut geschehen. Schließlich wird in der Bibel die Ehe zwischen Mann und Frau als Geheimnis für die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde beschrieben. (Eph. 5) Letztendlich ist es auch eine reine Pharse, wenn wir uns lang und breit auf die Reformation berufen und all ihre christozentrischen Bekenntnisse nicht nur nicht kennen, sondern bis ins Letzte relativieren und verleumden. Wenn wir den Reformatoren alles aus dem Mund nehmen, was wir nicht hören wollen und den Begriff Reformation stattdessen willkürlich anfüllen mit Meinungen und Vorstellungen aus aller Welt, sind wir sehr untreue Verwalter ihres Erbes.

„Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß.“

So dichtete es einst Philipp Friedrich Hiller und diesem zuzustimmen ist unserer Kirche wohl nur von ganzem Herzen zu wünschen.

Wir brauchen Jesus Christus. Jesus Christus als Erlöser, der für uns starb. Jesus Christus als auferstandenen Herrn durch den wir glauben können. Jesus Christus als Mittler und Freund, als Opferlamm und Hohepriester, als Herrn und König, als Heiland und Messias, als wahren Mensch und wahren Gott, als Wahrheit, die unser Leben und unsere Kirche durchdringt. In Psalm 118 heißt es: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ Dieser Stein ist, wie wir aus dem neuen Testament wissen, Jesus. Eine Kirche die nicht auf diesem Fundament errichtet ist, wird niemals Bestand haben. In Johannes 15 begegnet uns Jesus als Weinstock, von dem es heißt, dass jede Rebe, die nicht in ihm bleibt, nichts tun kann. Darum ist es mein, und unser Vorsatz Buße zu tun und uns vor Christus zu beugen. Es kann kein anderes Fundament als Jesus Christus geben. Ich hoffe, dass das Bekenntnis des Petrus uns wieder zum Vorbild werden kann, wenn er sagt: „ Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (Joh. 6,68+69)


Wir wollen nun in sieben Punkten darlegen, was unserer Meinung nach zur Stärkung der evangelischen Kirche und der ganzen Christenheit dienen könnte:

1. Zurück zum Wort Gottes (Frederik Ehmke)

2. Die Ausbildung eines persönlichen und lebendigen Glaubens (Johannes Meier)

3. Mut zu Mission und Evangelisation (Tim Richards)

4. Über die Einheit in Christus (Tobias Herold)

5. Christliche Bildung (Philemon Greiner)

6. Stärkung der Familie (Timotheus Kuhs)

7. Rückkehr zu reformatorischen Erkenntnissen (Konstantin Spindler)


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1. Zurück zum Wort Gottes

Was ist Gottes Wort?

Gottes Wort begegnet uns Menschen in der Schrift, die Gottes Wort bezeugt. Für uns Christen ist und sollte diese verbindliche, schriftliche Wortbezeugung die Bibel sein. Als Grundlage unseres Glaubens gilt – wie es schon der Reformator Martin Luther formuliert hat – sola scriptura. Allein die Schrift als Grundlage des Glaubens. Damit meinte Luther in seiner Theologie, dass der biblische Kanon vor allen anderen kirchlichen Schriften absolute Autorität hat und innerhalb der Kirche weiterhin haben sollte, da die Texte der Bibel göttlich inspiriert sind. (vgl. 2. Tim. 3,14-17; 2. Petr. 1,16-21) Durch sie spricht Gott.

Er offenbart sich so in den Evangelien durch seinen Sohn Jesus Christus, sodass das Wort Fleisch wurde und damit der Leser einen lebendigen Zugang zur Öffnung der Heiligen Schrift bekommt. Es wird ihm eine einzigartige Person mit göttlicher Vollmacht vorgestellt über die am Anfang des Johannes-Evangeliums folgender Prolog berichtet wird:

„Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.  […] Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh. 1, 1-3. 14)

Gott wird zum Menschen und stellt sich uns in seiner einzigartigen Person als Gottes Sohn vor, der in die Welt gekommen ist, um den Menschen die Nähe der Göttlichkeit zu vermitteln. Wer an Jesus und seine göttlichen Werke glaubt, der glaubt damit auch an Gott. In ihm verkörpert sich die Liebe Gottes, die allein den Menschen retten kann. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Joh. 3,16-17). Gerade auch deswegen ist es ein Anliegen unseres Vereins, dass das Wort Gottes in seiner biblischen Offenbarung weiterhin – getreu auch dem Verständnis von Luthers sola-Theologie – die Grundlage des christlichen Glaubens bleibt, insbesondere in der Evangelisch-Lutherischen Kirche, deren Amtsbezeichnung bekannterweise von evangelisch im Sinne des Evangeliums und lutherisch im Sinne der Theologie eines Martin Luthers herkommt.

Allerdings gilt dieses Anliegen auch weiterführend für alle Kirchen und Glaubensgemeinschaften die anteilig am Leib Christi sind. Wir als interkonfessionelle Mitglieder von Bekenntnis95 glauben, dass Gott sich in Jesus Christus den Menschen offenbart und uns diese Offenbarung von Menschen, die von ihm berührt wurden, in der Bibel bezeugt wird. Daher ist sie inspiriert und öffnet uns ein Zugang zu Gottes Wort. Wenn wir in Führungspositionen der Kirchen und Verbände diese wertvolle Offenbarung als Grundlage unseres christlichen Glaubens zugunsten der Idee des Synkretismus und zu Zielführung einer friedlichen Einheit der Religionsgemeinschaften mehr und mehr aufgeben, relativieren wir den im Wort Gottes begriffenen Absolutheitsanspruch: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater wenn nicht durch mich.“ (Joh. 14,6)

Unsere Einheit ist die Einheit in Christus, der uns durch sein Wort auch zur Liebe am Nächsten gemahnt (Mat. 22,39; Gal. 5,14; Jak. 2,8) und wir somit aus dieser Begründung heraus Menschen anderer Glaubensvorstellungen tolerieren und wertschätzen ohne ihre Überzeugungen in das Wort Gottes mit einfließen zu lassen. Darum gilt das ergangene Wort, der λογóς (griech. logos = Wort/Sinn/Vernunft), welches am Anfang war und durch welches Alles geschaffen wurde und sich offenbaren lässt auch heute in unserer pluralistischen Gesellschaft und darüber hinaus bis in alle Zeit. Dieses im Glauben zu bekennen ist einer unserer wichtigsten Kernaufträge und über jede gesellschaftspolitische und ethische Diskussion muss stets das Wort Gottes gestellt werden.


2. Die Ausbildung eines persönlichen und lebendigen Glaubens

John Hick fasste einst die Gotteserfahrung des alttestamentlichen Israels folgendermaßen zusammen:

Gott war ihnen bekannt als ein dynamischer Wille, der mit ihrem eigenen Willen interagierte, [als] eine schier gegebene Realität, so unumgänglich anzuerkennen wie zerstörerischer Sturm und lebensspendender Sonnenschein […] Sie gedachten Gottes nicht als eine abgeleitete Entität, sondern als eine erlebte Realität. Für sie war Gott nicht […] eine vom Verstand angenommene Idee, sondern eine erlebbare Realität, die ihrem Leben Bedeutsamkeit verlieh.[1] [Übers. d. Autors]

Das Neue Testament scheint dieser Erfahrung Gottes als einer “erlebbare[n] Realität” beizupflichten, indem es von Intimität und Kraftwirkung in Bildern der Einheit mit Gott berichtet: Die Jünger werden mit Reben an einem Weinstock verglichen[2], sie verwachsen in der Taufe mit Christus[3], unserem Stellvertreter[4], der die Erstlingsfrucht der neuen Menschheit ist[5]. Martin Luther deutete die neutestamentliche Gottesbeziehung nach Epheser 5,31-33 mit dem intimen Bild der Ehe.[6] Schließlich scheint Jesus von Nazareth sogar zu beanspruchen, der Mensch gewordene Gott zu sein.[7]

Als Christen schätzen wir aufgrund dieser Nähe Gottes die praxis pietatis, die ausgeübte Frömmigkeit,  als ein verheißungsvolles Privileg. Zudem sehen wir sie aufgrund der Tragweite der neutestamentlichen Worte als eine unumgängliche Verantwortung an. So scheint außerhalb von der Verbindung mit Christus keine Frucht zu sein[8], keine Freiheit von der Sünde[9] und keine Auferstehung[10] – nur Leere[11]. Folglich ist es notwendig, “in Christus“ zu sein.[12] Da diese Verbindung zu Glaubenswerken führt[13], ist die praxis pietatis unumgänglich. Diesen impliziten Motiven schließen sich explizite neutestamentliche Aufrufe zur Heiligkeit an: Jesus spricht davon, zuerst nach Gottes Reich zu trachten[14] und Gott ganzheitlich zu lieben[15], während Paulus Timotheus gebietet, sich in geistlichen Dingen die Haltung eines Soldaten, eines Athleten und eines hart arbeitenden Bauern anzueignen.[16] Petrus schließt sich diesen Aufrufen an.[17] Jesus sagte: “Denn wo dein Schatz ist, da wird dein Herz sein.”[18] und wir betonen, dass wir auf sein Reich, seine Kraft und seine Herrlichkeit hoffen.

Aber die Flatterhaftigkeit unserer Herzen ist unübersehbar, wenn wir – womöglich abgesehen vom Sonntag – völlig von den Dingen dieser Welt eingenommen sind. Sie ist unübersehbar, wenn wir keine Schönheit in Gottes Eigenschaften sehen oder nicht einmal nach diesen in der Bibel forschen. Auch wenn wir im persönlichen Studium bloß Wissen anhäufen und es nicht in unseren Herzen bewegen[19], dann haben wir nicht viel mehr von den himmlischen Dingen verstanden als ein Drucker von seinem Auswurf.[20] Wo das Gebot zur Heiligung derart missachtet wird, rufen wir mit Christus: “Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!”[21] Denn wir sehnen uns nach dem Tag, an dem sich die Christenheit in Deutschland Gott erneut naht, sodass er sich uns naht[22] und unser Gottesdienst der Liebe über den Sonntag hinaus in unsere Herzen und Diakonie hineinreicht. Die letzte Versuchung des Satans widmete er Jesu Vorstellungskraft und präsentierte ihm all den Glanz der Welt.[23] In einer Zeit von beispiellosen Ablenkungen und Angriffen auf unsere verletzliche Vorstellungskraft ist es die wichtige Aufgabe der Kirche, mit Paulus zu sprechen: “Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.”[24] Wo dies derart missachtet wird, bitten wir inständig: “So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.”[25] Denn wir sehnen uns nach dem Tag, an dem wir Sünder unsere Hände reinigen und unsere Herzen Gott heiligen[26], sodass wir sein werden wie eine unstillbare Wasserquelle[27]. Sicherlich werden dann Schrift, Gebet und Hauskreise erneut aufblühen.[28]

Zusammenfassung

Die Bibel motiviert uns auf mindestens drei Ebenen zur Ausbildung eines persönlichen und lebendigen Glaubens: Zunächst mittels Gehorsam gegenüber der Bibel und ihren ausdrücklichen Aufforderungen. Weiterhin durch die natürliche und notwendige Auswirkung des Glaubens in Werken, die der Glaubenspraxis einen Rückschluss über den Zustand unserer Seelen erlaubt.[29] Und schließlich, indem sie verheißungsvoll von Gottes Nähe und Macht berichtet. Aber der Alltag sieht anders aus: Der persönliche Glaube wird durch Ablenkungen aller Art angegriffen und kann sich oftmals weder an den Reichtümern des Glaubens erfreuen[30], noch über den Sonntag hinaus tätig werden.[31] 

Wo das der Fall ist, rufen wir hoffnungsvoll mit dem Autoren des Hebräerbriefs zur Buße auf:

[L]asst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.[32]


[1]Hick, John: Introduction. In: The Existence of God, Problems of Philosophy Series. In: New York: Macmillan Publishing Co. (1964), S. 13-14.

[2]vgl. Joh 15,1-11.

[3]vgl. Rö 6,4-5.

[4]vgl. 1Kor 15,21-23.

[5]vgl. 1Kor 15,42-48.

[6]vgl. Luther, Martin: Von der Freiheit eines Christenmenschen, 1520.

[7]vgl. unter anderem Mk 12,1-9; Mk 14,60-64; Mt 11,10, Lk 7,27 mit Mal 3,1, Jes 40,31; Mt 11,27, Lk 10,22; Mk 8,38, 13,26-27, Mt 10,32f., Mt 24,27.37.39, Lk 12,8f, Lk 17,24.26.30 mit Dan 7:13-14, 1Hen 48,3-6, 4Esr 13.

[8]vgl. Joh 15,6.

[9]vgl. Rö 6,6.

[10]vgl. Rö 6,8.

[11]vgl. Kol 2,10.

[12]vgl. Gal 3,27.

[13]vgl. Rö 6,11; Jak 2,14-26; Joh 15,5.

[14]vgl. Mt 6,33-34.

[15]vgl. Mk 12,30-31.

[16]vgl. 2Tim 2,3-7

[17]vgl.1Pe 1,15-16.

[18]Mt. 6,21 nach Lu 2017.

[19]vgl. Lu 2,19.

[20]vgl. Joh 3,12.

[21]Mt 4,17 nach Lu 2017.

[22]vgl. Jak 4,8.

[23]vgl. Mt 4,8.

[24]Kol 3,1 nach Lu 2017, vgl. Phil 4,8.

[25]Offb 3,3 nach Lu 2017.

[26]vgl. Jak 4,8.

[27]vgl. Jes 58,3-12.

[28]vgl. Ps 1,3.

[29]vgl. 2Kor 13,5, Klg 3,40.

[30]vgl. Eph 1,18f.

[31]vgl. Jes 58,5-14, 2Kor 8,11.

[32]Heb 12,1-2 nach Lu 2017.


 

3. Mut zu Mission und Evangelisation

„Und in keinem anderen ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg. 4,12)

  • Wieso Mut?

Wieso brauchen wir Mut zu Mission und Evangelisation, oder zumindest mehr Mut? Mission und Evangelisation ist unbequem. Wir müssen aus unserem Schutzgebäude der Kirche raus in nicht vertraute Gefilde. Menschen ansprechen, evtl. auf Widerstand stoßen, neue Gesichter in der Gemeinde sehen, fremde Einflüsse in der Gemeinde erleben, … – das alles sind Faktoren, die Mission und Evangelisation so unbequem machen, wie sie sind. Wir richten uns einfach gerne häuslich ein, lehnen uns im Sessel zurück und wollen entspannt genießen – das sei auch vergönnt, darum geht es nicht, aber bei dauerhafter Ausübung mangelt es doch ein wenig an Vielfalt und damit verbunden an Wirksamkeit. Vielleicht wird uns dadurch sogar ein wenig „der Spiegel vorgehalten“ – wir bekommen durch unser Wirken nach außen unfreiwillig Feedback, eine Rückmeldung, wo wir als Christen, als Kirche oder als Dorfgemeinde etwas vernachlässigt haben. Oder wir befürchten durch fremden Zuwachs, ein Stück weit unsere Privatsphäre, vielleicht sogar ein bisschen gewonnene Intimität in der Kirchengemeinde, im Gottesdienst zu verlieren. Wir haben Sonntags einen Zufluchtsort in der Kirche gefunden, an dem wir die äußere Welt einmal ausblenden können; wir können Abstand nehmen, unsere Sorgen immer wieder neu bei Jesus ablegen und werden geistlich gestärkt und zugerüstet, um uns für die kommende Woche in der meist sehr orientierungslosen, respektlosen und vor allem lieblosen Welt vorzubereiten. Das ist auch ein großer Zweck und Sinn vom sonntäglichen Gottesdienst. Jedoch darf sich der Gottesdienst keine Exklusivität einvernehmen, auch wegen der damit oft verbundenen Starre oder sogar dem damit verbundenen Schwund an Besuchern. Wir brauchen Mut. Auch zum Erhalt unserer Gemeinden.

  • Was sagt die Bibel zu Mission und Evangelisation?

Als Christen berufen wir uns ganzheitlich auf sie, deshalb soll sie auch als erstes zu Wort kommen? Primär spricht Jesus sowohl in Matthäus 28 als auch in Markus 13 dieses Anliegen als Aufforderung aus: Unser Herr und Meister, Jesus Christus, der uns erlöst hat, uns unsere Sünden vergeben und uns den Weg zum Vater gezeigt hat, will, dass wir dieser Aufforderung nachkommen – sind wir gehorsam? Eine Kirche, die sich auf den Namen und die Person Jesu Christi beruft, sich aber seinen Aufforderungen und Weisungen eher fahrlässig gegenüber verhält, gibt nach außen hin doch kein wirklich nachzuahmendes Bild ab.

Mission und Evangelisation ist heilsrelevant. Als Christen bezeugen wir Jesus Christus als den einzigen Weg zum Vater, als den einzigen Weg zum Heil, zum Paradies, als den einzigen Weg durch das Gericht. Paulus bringt das in Römer 10,9 auf den Punkt: „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ Jesu Sühnetod und Auferstehung und vor allem der ungeheuchelte Glauben daran, ermöglicht uns Menschen die Errettung und sonst nichts. Jesus sagt von sich selbst in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ Das Bekenntnis zu Jesus Christus ist das Einzige, das uns sündige Menschen rettet – ist es noch tragbar mit Mission und Evangelisation eher wie mit einer eventuellen Option als mit einem notwendigen Mittel umzugehen?

In Matthäus 22 erzählt Jesus ein Gleichnis von einer Hochzeit. In Vers 9 heißt es: „Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.“ Die Wiederkunft Jesu am letzten Tag wird oft mit einer Hochzeit von Jesus mit seiner Gemeinde verglichen. Am letzten Tag nimmt Jesus seine Gemeinde zur Braut und die Gemeinschaft mit Gott selbst findet endlich ihre Erfüllung. Aber Jesus will, dass alle Gäste anwesend sind! Er hat uns den Auftrag gegeben, stellvertretend für ihn diese Hochzeitseinladung auszusprechen und zu verbreiten. Die Zeit dazu schenkt Gott uns jetzt! Wieso scheinen wir sie so wenig nutzen zu wollen? Wir haben jetzt noch diese kostbare Chance und wir haben nur diese eine; in Matthäus 24, 14 steht: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“

Wieso hört das Heilsgeschehen mit dem Kreuzestod Jesu nicht auf, wieso erlangt Gottes Heilverheißung da nicht ihre Erfüllung? Nach Johannes sind Jesu letzte Worte „Es ist vollbracht.“ (Joh. 19,30) – was ist vollbracht und was eben nicht? „Und das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern“ (Mk. 10,13) Gott ist Gott. Gott ist der, der war, der da ist und der da kommt. Gott ist treu und Gott bleibt sich selbst treu. So auch seinen eigenen Verheißungen. Der Missionsgedanke bekommt schon ganz am Anfang der Bibel einen viel höheren Stellenwert
zugerechnet, als auf den ersten Blick vielleicht sichtbar. In der Verheißung an Abraham heißt es: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (Gen. 12,30) Gott hat schon bei Abraham Mission und Evangelisation im Blick gehabt und es als Versprechen in die Welt gestellt. Was macht er nun? Er gibt uns die Zeit, er schafft für uns die Möglichkeit die Sendung Jesu Christi wahrzunehmen und zu erfüllen; er hält sein Versprechen an uns! Gott bleibt seiner Verheißung treu, indem er uns diese Zwischenzeit zwischen Ostergeschehen und Weltgericht schenkt.

Der These, dass wir durch Jesus allein gerettet werden mag von vielen so bejaht und unterschrieben werden, aber was ist unsere Aufgabe? „Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt sind? Wie geschrieben steht: Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkünden, die das Evangelium des Guten verkünden!“ (Röm. 14,15) – Jesus sendet uns (Mt. 28,18-20)! Römer 10,9 weist uns an, den Namen Jesu Christi anzurufen, ihn „mit dem Mund zu bekennen“; aber ein paar Verse später macht Paulus deutlich, dass wir das aus freien Stücken nicht können. Es bedarf der Verkündigung, sonst wird dieses Wirkungsgefüge, das Paulus hier beschreibt gar nicht erst angeworfen! Jesus hat den ersten Schritt getan, er hat uns gesendet, jeden einzelnen von uns. Der zweite Schritt liegt an uns – gehen wir ihn?  Jesus rettet. Allein. Oder da wir uns im Reformationsjubiläum befinden: solus christus.

  • Was bedeutet Mission für die Kirche?

Was bedeutet also Mission für uns als Kirche ganz genau? Oder vielmehr: was ist Jesu Mittel der Wahl, um die frohe Botschaft an den Menschen zu bringen? Die Menschen selbst, vielmehr seine Kirche! Was wirft das für ein Licht auf unsere Kirche? Wir sind eingesetzt, um höchstpersönlich Mitwirkende an der Erfüllung von Gottes Verheißung zu sein! Um ehrlich zu sein ist das ein unverdientes und nur aus Gnade gegebenes Geschenk Gottes an uns. Wer sind wir, dass wir es ablehnen?! Weiter: welches Licht wirft diese Tatsache ferner auf unseren Gottesdienst? Jesus ist uns als „erster Missionar“ als ein Beispiel vorangegangen – lasst uns auch hier nach Christi Handeln streben.

Bei Mission und Evangelisation denken viele sofort an riesig große Erweckungsveranstaltungen, Festivals und Megapredigten vor Tausenden von Leuten. Das ist aber auch nur ein Teil von Mission und Evangelisation, der oft nicht von einer Gemeinde (auch finanziell) getragen werden kann. „Es kommt auf den Einzelnen drauf an.“ (Dallendörfer) Mission und Evangelisation beginnt ganz im Kleinen und kostet auch nicht viel bis gar keinen Aufwand. Wo ist die Einladung zum Gottesdienst in den Gemeinden? Versuchen wir noch aktiv, Besucher für den sonntäglichen Gottesdienst zu gewinnen? Öffnen wir anderen (eventuell kirchenfernen) Menschen unsere Kirche, unser Gemeindehaus oder sonstige Räumlichkeiten, die uns zur Verfügung stehen? Vor allem: Öffnen wir unsere Herzen den Fremden, denen, die noch nicht die Möglichkeit hatten, die rettende Botschaft vom Sühnetod und der Auferstehung Jesu Christi zu hören? Oder man trifft sich zum Missions-Gebet, betet für Organisationen, für Missionare, die aus der eigenen Gemeinde entsandt sind – auch das kann einiges bewirken.

Eines wissen wir als Kirche Jesu Christi, als Leib zu dem Jesus, der Herr selbst, den Kopf, das Haupt bildet: Wir sind nicht alleine. Wenn wir in der Beziehung mit Jesus Christus bleiben, so haben wir das Versprechen, dass wir auch Frucht bringen werden, dass unsere Arbeit ihr Ergebnis auch erreicht (vgl. Joh. 15,5) Wie dieses Ergebnis aussieht, ist jedoch wieder voll und ganz der Souveränität des allmächtigen Gottes unterstellt. Wir haben Unterstützung und Fürsprache von Jesus Christus selbst, der uns seinen Heiligen Geist geschickt hat, damit er in einem jedem einzelnen von uns ganz direkt und konkret wirken kann. An Pfingsten bevollmächtigt der Heilige Geist die Apostel und Jünger Jesu dazu, in den Sprachen der Völker zu reden um genau diese Botschaft zu verkündigen, die so unglaublich wichtig für die Menschheit ist. (vgl. Apg. 2) Und was hat Petrus getan? Kaum in dieser Weise ausgerüstet, stellt er sich hin und hält die erste Missionspredigt in der Bibel und tausende bekehren sich. Petrus hat die Möglichkeit erkannt; er hat begriffen, zu welchem Zweck sie den Heiligen Geist und die damit verbundenen Fähigkeiten, erhalten haben und er ergreift sogleich die Chance und macht direkt Gebrauch von dem, was er empfangen hat; das Ergebnis: viele Menschen werden gerettet. Das wurde den Jüngern sogar vorausgesagt, als Jesus in Apostelgeschichte 1,8 zu ihnen sagt: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ Oder noch früher in Matthäus 10,19: „So sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt.“ Wir müssen nichts befürchten. Das befreit – auch zu Mission und Evangelisation.

  • Wie stehen wir zur Judenmission?

Auch hier muss dieses Thema kurz angesprochen werden, wenn es doch wahrscheinlich schon zu Genüge produktiv oder eben nicht in anderen Kreisen diskutiert wird. Wir als Bekenntnis95 sprechen uns für die Judenmission aus und berufen uns auch hier auf die Bibel. Wir sehen gerade durch das Heilsgeschehen Jesu Christi die Juden mit den Heiden auf die gleiche Stufe gestellt, was Mission und Evangelisation, sowie das Recht auf Verkündigung und damit verbunden die Chance auf Buße und Umkehr angeht. Jesus ist als Person selbst zu den Juden gekommen, direkt in das Herz Israels hinein.

Ferner sei zum ersten Römer 10,12 genannt: „Denn es ist kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; denn derselbe ist Herr über alle, reich für alle, die ihn anrufen.“ Es ist derselbe Herr über alle und für alle. Jesus ist genauso Haupt des Leibes der heidnischen Gemeinde, als auch der jüdischen Gemeinde. Jesus lädt gleichermaßen Heiden, wie auch Juden zur großen endzeitlichen Hochzeit ein. In Offenbarung 22,17 heißt es: „Und der Geist und die Braut sprechen: Komm!“ Da steht nicht: „Komm! – Außer den Juden.“ Hier wird niemand ausgeschlossen, es richtet sich ausnahmslos an alle.

Zum zweiten heißt es in Kolosser 3,11: „Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, (…), sondern alles und allen Christus.“ Auch hier wieder „allen“ – es gilt für alle. Christi Sühnetod und Auferstehung geht alle etwas an, er ist ausnahmslos für alle gestorben, der einzige Weg, Jesus Christus, ist auch ausnahmslos für alle der einzige Weg. Jesus selbst gibt den Auftrag dazu in Lukas 24,47: „Und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern: Fangt an in Jerusalem.“ Maßgeblich ist hier der Kontext in dem der Vers steht: Jesus sagt das zu den Jüngern, die nach Jesu Tod (und Auferstehung, obwohl sie das noch nicht wissen) in Jerusalem geblieben sind; er legt ihnen – wie es da heißt – die ganze Schrift aus, er „öffnete ihnen das Verständnis, dass sie die Schriften verstanden…“ (Lk. 24,45) Das Verständnis der Schriften, das ganze Ausmaß der biblischen Aussage zu verstehen muss unglaublich sein, und ich glaube die wenigsten von uns können in heutiger Zeit von sich behaupten, das erreicht zu haben. Aber was wir wissen – weil es da steht – ist, dass das Verständnis der Schriften in der Mission mündet! Jesus sagt in den Versen vorher, dass es so geschehen musste; es war von Anfang an so gedacht, dass Christus in die Welt kommt und leidet, dass er die Sünden der Menschheit auf sich nimmt und sie für immer durch seinen Tod besiegt, und dass er für die Zwischenzeit zwischen Ostergeschehen und Weltgericht die Menschen dazu beruft ihm nachzufolgen und Verkündiger seines Wortes zu werden, und zwar unter allen Völkern.

Man könnte dieses Thema noch weiter ausführen, mit weiteren Schriftzeugnissen belegen und ausschmücken, jedoch sei hier fürs Erste ein Punkt gesetzt. Wir wollen dazu ermutigen, aus dem Sessel der Kirche aufzustehen, sich den Menschen zuzuwenden und sie einzuladen, die rettende Botschaft von Jesus zu hören. Übrigens ist auch viel schöner, sich nach dem Aufstehen immer mal wieder in den Sessel fallen lassen zu können und die Frucht bewundern zu können, die durch die Kraft des Heiligen Geistes in der Gemeinde langsam zu wachsen beginnen wird – wir dürfen darauf vertrauen, wir haben die Gnade Jesu Christi erfahren!

Schließen möchte ich mit 1. Korinther 3,11: „Ein anderer Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Christus.“ Unsere Kirche gründet sich auf Jesus Christus. Wir feiern Gottesdienst in seinem Namen, wir leben in seinem Namen, wir erwarten Rettung in seinem Namen. Da ist es nur konsequent auch den Aufforderungen in seinem Namen nachzukommen und zu versuchen unseren Mitmenschen so oft und so einladend wie möglich die Chance auf Rettung und Heil darzubringen, denn das ist es, wofür wir als Diener, als Kirche und als Kinder Gottes berufen sind – nicht mehr und nicht weniger.

Alle Bibelverse dieses Aufsatzes sind der Luther-Übersetzung von 1984 entnommen.

  1. Über die Einheit in Christus

Schon wegen den unterschiedlichen Konfessionen und verschiedenen Ausprägungen des Christentums ist es fast unmöglich auf theologischer und kognitiver Ebene in allen Dingen gleicher Meinung zu sein. Allerdings gibt es eine andere Ebene, auf der wir als Christen eins werden können und darum ringen sollten: Die Einheit in Christus statt im Verstand.

Es ist sehr schön zu sehen, dass unsere Kirchenleitung von ihrer Seite aus viel für den Abbau von Mauern und Grenzen gegenüber anderen Konfessionen gemacht hat. Ein sehr großer Schritt in der letzten Zeit waren dabei die ‘Leuenburger Konkordie‘ und die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999. Darüber hinaus gibt es auch viele weitere Bestrebungen, um die Grenzen und Fronten zwischen den Konfessionen abzubauen. So gibt es unter anderem die Initiative “Miteinander für Europa“. In dieser arbeiten Katholiken und Protestanten zusammen für das Christentum in Europa. Insgesamt lässt sich eine immer stärkere Gemeinschaft unter den Konfessionen feststellen.

Trotz alledem gibt es selbst innerhalb der Landeskirchen große Unterschiede in theologischen Ansichten und der Umsetzung des Glaubens im Leben. Aus diesen Differenzen entstehen natürlich auch Spannungen, sobald man sich mit deren anderen Ansichten auseinandersetzt.

Wie ist nun aber mit dieser Unterschiedlichkeit umzugehen? Und gibt es etwas, was uns als Christen alle gemeinsam ausmacht?

Zuallererst ist wichtig, dass sich aus den Differenzen kein Machtkampf entwickelt. Denn dort, wo Machtfragen im Spiel sind, geht es nicht mehr um Jesus und seine Kirche, sondern um einen selbst. Es stehen dann stattdessen persönliche Anerkennung und Einfluss im Mittelpunkt. Genauso schädlich ist es, Ideologien oder politische Interessen im Hintergrund zu haben und diese – an sich nichtchristlichen Strömungen – unterschwellig in die Kirche einzuführen. Die Kirche ideologisch oder politisch zu instrumentalisieren hat zum Beispiel im dritten Reich eine unglaubliche Zerstörungskraft an den Tag gelegt. Außerdem grenzt sie dadurch Menschen mit einer anderen politischen Meinung aus.

Trotz aller Unterschiede zwischen christlichen Konfessionen und theologischen Richtungen gibt es einen gemeinsamen Grund, den wir schon haben, weil wir uns als Christen bezeichnen.

Als Christen sind wir Menschen, die in ihrem Leben und Handeln Jesus Christus nachfolgen und ein Zeugnis von ihm in der Welt sein wollen. Die Grundlage des Glaubens ist, dass man in Christus seinen Herrn und Erlöser sieht, dass er gestorben und auferstanden ist und in der Dreieinigkeit mit dem Vater und dem Hl. Geist Gott ist. Dass Gott die Menschen trotz all ihrer Fehler liebt und zum Guten hin führen möchte. Die Bibel gibt vom Handeln Gottes Zeugnis und ist deshalb Orientierung für unser Leben mit Gott. Im Glaubensbekenntnis ist das sehr gut zusammengefasst worden. Das Fundament, auf dem ein fruchtbares Zusammenkommen und Handeln geschehen kann, ist in der Person Jesus Christus gegeben. Wer ihn als Fundament nicht hat ist schon vom Wortsinn her kein Christ!

Im Leben als Christ ist es von Bedeutung, als Grundeinstellung eine gegenseitige Liebe zu haben. Wir als Christen sind dazu aufgerufen sowohl unsere Feinde, als auch unsere Brüder im Glauben zu lieben. Nun ist es mit der gegenseitigen Liebe so eine Sache: Leider ist es auch bei den Christen weit verbreitet, dass diese nicht bedingungslos ist. Sie hängt unter anderem davon ab, ob man gleicher Meinung ist oder wenigstens die andere Meinung toleriert. Außerdem ist für viele Kontrahenten das Streitthema der unaufgebbare Identifikationspunkt geworden auf dem die Identität der eigenen Überzeugung oder sogar des Glaubens ruht. Wo auch immer das geschieht ist es als Armutszeugnis zu sehen. Wenn mich nur noch das ausmacht, was mich von meinen ‚Gegnern‘ unterscheidet, was für Früchte kann ich dann aus so einem Glauben noch hervorbringen?

Eine gute Einstellung entwickelt sich, wenn man neue Fragen an sich stellt. Was macht meinen Glauben und mein Verständnis von Christ sein aus? Was sind meine Schätze im Glauben bei denen ich etwas an andere weitergeben kann? Wo haben Christen, die ihr Christ sein anders leben die ihren? Und kann ich die innere Stärke aufbringen zuzugeben, dass diese einen Schatz haben, den ich nicht besitze, einen Aspekt, an dem ich von ihnen lernen kann? Welche Wahrheitsmomente finde ich bei ihnen, die mir fehlen? Dem Anderen das sagen zu können ist ein starkes Zeugnis für einen reifen und vorbildhaften Glauben!

In Diskussionen dürfen wir unseren Blick nicht auf den Kontrahenten richten. Das führt dazu, dass ich mich mit ihm vergleiche und hochmütig werde. Lasst uns auf Jesus schauen, wie er mit seinen Feinden umgegangen ist (Judas wäscht er in Joh. 13 die Füße) und wir werden demütig. Wir bekommen Mut, zu dienen. Wir wollen unser Handeln als Dienst am Nächsten und der Welt sehen, den Gegnern die Füße waschen und nicht den Kopf! In so einer Haltung können wir für die Wahrheit des Evangeliums einstehen und in ihr leben. Diese Wahrheit ist in Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus zu finden und in der Bibel bezeugt. Die Wahrheit kommt nicht allein durch gute Schriftstücke und geschickte Argumentationen ans Licht, sondern durch Liebe und Hingabe, auch am Gegner. Dies führt zu einer Nachfolge in Jesus und überzeugt nicht durch Worte sondern durch mein Sein und Handeln. In Johannes 13 wäscht Jesus als Herr und Meister seinen Jüngern die Füße. Spannend dabei ist, dass Judas der Verräter erst danach weggeht. Also wäscht Jesus ihm auch die Füße, obwohl er weiß, dass er ihn verraten wird. Das ist die Haltung, die wir auch den Menschen, mit denen wir im Streit sind, begegnen sollten. Was würde passieren, wenn man diese Einstellung gegenüber Gesprächsgegnern behält? Ich bin überzeugt, dass das Gespräch dann von einer anderen Grundstimmung getragen werden würde.

Lasst uns nicht durch Diskussionen das Zentrum, welches Jesus ist und was er für uns getan hat, aus dem Auge verlieren!

 


5. Christliche Bildung

Wir haben in Deutschland dankenswerter Weise viele Möglichkeiten der Bildung, in denen die Kirche die Möglichkeit hat die Gesellschaft zu prägen. Sei es in Konfirmandenunterricht, Gemeinde, Schule oder Universität. Nun steht man aber vor der Herausforderung, wie man mit der Bibel in Kirche, Schule und Universität umgehen soll und wie Schüler einen Standpunkt entwickeln können, den sie mutig vertreten können. Wir stehen dafür ein, dass keine selektive Wahrnehmung der Schrift vermittelt wird, sondern die Frage nach dem Mittelpunkt der Schrift hochgehalten und ernsthaft debattiert wird. So ist also eine eindeutige Orientierung durch klares Profil und klare Verkündigung notwendig. Wir fordern eine Fokussierung darauf, dass Gott es ist, der uns durch die Bibel einen Spiegel vorhält (2.Tim. 3,16; Jak. 1,23-25) und uns kritisiert und nicht eine Fokussierung auf die Kritik der Bibel. Wir wollen ein Ringen um das Ereignis des Todes Jesu am Kreuz, was für den menschlichen Verstand nicht fassbar ist, aber zentral für Lehre und Verkündigung sein sollte. (1. Kor. 1,18) Hierfür ist es notwendig, dass ein persönlicher Gott verkündigt wird, der in der Bibel seine lebendige Zuwendung zeigt. Es sollte also das Ziel der Kirche sein, dass die Botschaft der Bibel mehr und mehr an Bedeutung gewinnt und diese Botschaft als notwendig und heilsbringend verstanden wird. So kann dem Bewusstsein der Gesellschaft entgegengewirkt werden, dass die Kirche nichts zu sagen hat. Um dieses zu erlangen braucht es mündige Gemeindemitglieder die im Glauben und in der Vermittlung der biblischen Botschaft vorangebracht werden, sodass sie fähig sind ihren Glauben in Kinderstunden, christlichen Kindergärten, Jungschar, Kinderkirche etc. zu bekennen.

Ein Nachdenken in der Tradition Luthers ist nötig, der folgendes in seiner „Vorrede zum Alten Testament“ über die Bibel schreibt:

„Darum laß dein Meinen und Empfinden fahren und erachte diese Schrift als das allerhöchste, edelste Heiligtum, als die allerreichste Fundgrube, die nimmermehr genug ausgeschöpft werden kann, auf daß du die göttliche Weisheit finden mögest, welche Gott hier so einfältig und schlicht vorlegt, daß er allen Hochmut dämpfe.“

Um gute Theologie zu betreiben sind zwei Dinge unabdingbar: Ein Denken der Theologie vom Kreuz her (vgl. Luther: Heidelberger Disputation, These 20) und Demut vor der göttlichen Offenbarung in der Bibel. Gerade an Universitäten ist es notwendig, dass nicht eine Fokussierung auf eine liberale Sicht der Bibelauslegung stattfindet, die als einzig, wissenschaftlich-redlich gelehrt wird, sondern das auch Alternativen der Bibelauslegung aufgezeigt werden, um eine freiheitliche Atmosphäre an Universitäten zu schaffen, die eine bibel-kritische und eine wort-getreue Einstellung gleichberechtigt nebeneinander stellt. Es wäre von großem Gewinn für die Kirche, wenn die Lehre an Universitäten sich auf Glaubensinhalte fokussiere, die in Gemeinde und Kirche vermittelt werden und die persönliche Frömmigkeit, sowohl im Studium, als auch im Vikariat an Bedeutung gewinnen würde.

Die Botschaft, dass Christus das Zentrum der Schrift, der Lehre (Mt. 23,10) und des Glaubens ist, dies gilt es in Kirche, Schule und Universität zu proklamieren und zu verkünden.


6. Stärkung der Familie

Wenn wir über Familie reden wollen und erst recht, wenn wir Familie leben wollen, ist es in erster Linie entscheidend, nach Gottes Vorstellung von Familie zu fragen und in der Bibel danach zu suchen. Dazu müssen wir in die ersten Kapitel der Bibel schauen, in denen vom Anfang und von Gottes Schöpfung die Rede ist. Der Mensch hat darin eine herausgehobene Stellung, denn er wird „im Bilde Gottes geschaffen“ (Gen. 1,27). Er bekommt auch den Auftrag von Gott, sich zu vermehren, zu herrschen, zu bebauen und zu bewahren. (Gen. 1&2)  Gott sagt, es sei “nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (Gen. 2,18) und gibt ihm daher eine Frau. Diese ist – wie auch der Mann – mit besonderer Würde ausgestattet, ist sie doch eine ‚göttliche‘ Hilfe, wie das hebräische Wort, dass sonst nur in Bezug auf Gott benutzt wird, deutlich macht. Gott segnet diese Gemeinschaft und sieht sie als gut an. Adam hat von Gott alle notwendigen Anweisungen und die Verantwortung zur Ausführung derselben bekommen; aber er brauchte in Eva noch eine Gehilfin, um Gottes Aufgaben zu meistern. Gott hat sowohl in den Mann, als auch in die Frau Aspekte von sich selbst gelegt, beide sind in seinem Ebenbild geschaffen und stehen als Einheit vor Gott. Der Mann ist von Anfang an dafür verantwortlich, die Aufgaben, die er von Gott bekommen hat, auszuführen – er hat die Verantwortung, auch für seine Frau Eva. Als Verantwortungsträger ist er der Ansprechpartner Gottes, zum Beispiel als seine Frau Eva von der Schlange verführt wird und der Mensch in Sünde fällt. (Gen. 3,8 – „Adam, wo bist du?“) Die Frau hat immer schon den Auftrag, ihren Mann zu unterstützen, ihm eine Hilfe zu sein. Die Bibel weiß von der segensreichen Einheit von Mann und Frau und der hohen Bedeutung der Familie. Das zeigt sich schon in der Urgeschichte, wo das gesamte Volk Israel aus einer Familie hervorgeht. Die Beziehung zwischen Mann und Frau wird von ihrer leidenschaftlichen Seite beschrieben (Hohelied) und auch die praktische Seite wird nicht außer Acht gelassen (Kol. 3,18-21; Tit. 2,1-7a; 1. Petr. 3,1-7). Beide werden an mehreren Stellen dazu aufgefordert, ein gottesfürchtiges und heiliges Leben zu führen. (u.a. 2. Kor. 7,1; 1. Thess. 4,3; Hebr. 12,14)

Durch die von Gott geschaffenen Voraussetzungen waren Adam und Eva ein ‚Fleisch‘ geworden, sie wurden eins miteinander. Hieraus wird zweierlei ersichtlich. Zum einen handelt Gott, wenn eine Ehe geschlossen wird, an diesen beiden Menschen und fügt sie zu einem Fleisch zusammen. Zum anderen kann Sie auch nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. Die Kirche hat die göttliche Aufgabe, die Ehe zwischen Mann und Frau zu begleiten und auch zu segnen. Eine Segnung oder Eheschließung, die über die Einehe zwischen Mann und Frau hinausgeht, ist in der Bibel nicht verheißen; somit ist es auch der Kirche nicht möglich einen solchen Segen überhaupt zuzusprechen. Durch die gesamte Bibel zieht sich die Verbindung zwischen Mann und Frau als die einzig Mögliche und Richtige durch. Familie ist also dann Familie, wenn zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, die unterschiedliche Aufgaben haben, den Ehebund eingegangen sind. Ein weiterer Bestandteil einer Familie, wenn Gott sie einem Ehepaar in seiner großen Liebe schenkt, sind die Kinder, auch wenn ein Ehepaar nicht erst mit Kindern zu einer Familie wird! In den 10 Geboten finden wir dann Hinweise darauf, mit welchem Plan Gott die Familie eingesetzt hat. Im 4. Gebot richtet sich Gott explizit an die Kinder, die dazu verpflichtet sind, ihren Eltern Ehre und Gehorsam zu erweisen. Das 6. Gebot macht deutlich, dass die Ehe einmalig geschlossen wird und damit auch für das ganze Leben angelegt ist. Eine Ehe soll nicht gebrochen werden, indem man sich auf einen anderen (Sexual-)Partner einlässt, man verpflichtet sich dem Ehepartner gegenüber zu lebenslanger Treue. Beides sind Hinweise darauf, wie Familie gelingen kann. Zudem bekommen Eltern Anweisungen, wie sie sich ihren Kindern gegenüber verhalten sollen und was Sie ihnen weitergeben sollen. An erster Stelle steht, dass man den Kindern die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus Christus weitergeben, sie darin unterweisen soll. (5. Mose 11,19-22; Titus 1,6; vgl. 2. Tim. 1,5; 3,14-16)

Besonders im Neuen Testament sehen wir dann noch deutlicher, was die Aufgaben von Mann und Frau in der ehelichen Beziehung und im Blick auf die Gesamtfamilie sind. An mehreren Bibelstellen, besonders aber in Epheser 5,21-33 wird aufgezeigt, dass der Ehebund am besten funktioniert, wenn Mann und Frau die jeweils spezielle, gottgegebene Aufgabe ihrem Ehepartner gegenüber zu erfüllen suchen. Der Mann hat die Aufforderung bekommen, dass er seine Frau liebt, wie Christus die Gemeinde geliebt und sich für sie hingegeben hat. Die Frau wird dagegen aufgefordert sich ihrem Mann unterzuordnen und ihn zu achten. Generell sind beide natürlich aufgefordert, einander zu lieben und zu achten. Der Mann hat wohl, weil ihm Achtung wichtig ist, weniger ein Problem damit, seine Frau zu achten, mehr aber seine Frau bedingungslos zu lieben. Die Frau wiederum, weil sie von Vornherein schon große Liebe in sich trägt, soll nach Unterordnung unter und Achtung für ihren Mann streben. Zwei schwere Aufgaben, die es anzustreben gilt, aber einem Mann, dessen Frau ihn bedingungslos anerkennt und achtet, wird es leichter fallen, seine Frau im Dienen zu lieben und sogar, wie es Christus für die Gemeinde getan hat, für sie in den Tod zu gehen. Eine Frau, die von ihrem Mann bedingungslose Liebe spürt und das an seinen Taten erkennen kann, wird sich mit freudigem Herzen unterordnen und ihm als ihrem geistlichen Verantwortungsträger nachfolgen. Das ist das einfache Geheimnis und die doch anspruchsvolle Aufgabe, die uns in der Ehe begegnet. Warum vertrauen wir heute nicht mehr unserem Gott als dem Erfinder der Ehe, dass er am besten weiß, wie Ehe funktioniert? Wir müssen lernen bei uns selbst Veränderung geschehen zu lassen – Männer haben verlernt ihre Frauen zu lieben und Frauen wollen sich ihrem Mann nicht mehr unterordnen, aber diese beiden Dinge sind unabdingbar, wenn wir unsere Ehen vor Scheidung bewahren wollen. Aus biblischer Sicht ist Scheidung generell erst einmal falsch, denn Gott hasst Scheidung (Mal. 2,16). Die Scheidungsraten sind seit Jahren extrem hoch, auch unter Christen kommt es vermehrt zu Trennungen und die Leidtragenden sind nicht nur die Kinder. Geben wir unsere Ehe manchmal zu schnell auf? Wir müssen uns wehren gegen all das, was uns aufgedrückt wird durch die Gesellschaft, durch Politiker und antichristliche Strömungen, die uns vormachen, dass Scheidung und ständiger Partnerwechsel keineswegs problematisch seien. Und noch viel mehr: Unter dem Deckmantel des Rechts auf Abtreibung für Mütter wird den ungeborenen Kindern oft keine Chance auf ihr Leben gelassen. Wie kann es sein, dass wir als christliche Kirche uns nicht für Ungeborene einsetzen? Wie können wir wegsehen, wenn in unserem Land 100.000 Kinder pro Jahr abgetrieben und so ermordet werden? Wir wünschen uns eine Kirche, die für jene einsteht, die keine Stimme haben; eine Kirche, die für die Ehe als schützenswertes und heiliges Geschenk Gottes eintritt; eine Kirche, die mutig Orientierung in familiären Fragen bietet und nicht mit politischen und philosophischen Strömungen der jeweiligen Zeit mit schwimmt.

Dies gilt auch und besonders in Bezug auf das Gender-Denken, das von politischer und philosophischer Seite an uns herangetragen wird. Die Kirche muss ein Profil zeigen und darf den Begriff der Ehe nicht der Willkür ausliefern. Wenn diese Strömungen ihr Ziel erreichen, würde die Familie, wie wir sie kennen und wie Gott sie gedacht hat, zerstört werden. Wo bleibt der Aufschrei, wenn unsere Kinder in der Grundschule einer Frühsexualisierung unterzogen werden, bei der sie verschiedene Lebensformen, Sexualpraktiken und vielfältige, aber neu erdachte Geschlechter ‚anschaulich‘ erklärt bekommen? Wie können wir zulassen, dass unsere Kinder in ihrer (sexuellen) Identität so verunsichert werden und diese bald völlig der Zerstörung preisgegeben wird? Wir denken, dass es heute an der Zeit ist, wieder auf Gottes Geschenk der Ehe aufmerksam zu machen und auf das uns gegebene Zeugnis von Gott, die Bibel, zu hören. Wir wollen dafür kämpfen, dass Familie wieder mehr gelebt wird und Stärkung findet. Das beginnt in unserer eigenen Familie und indem wir betonen, dass es die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ist, in der Gott sich auch Sexualität gedacht hat und die auch auf Kinderzeugung hin ausgerichtet ist. So kann es nur schwerlich zu ungewollten Schwangerschaften kommen, wenn wir nur mit einem Partner und auch nur im geschützten Rahmen der Ehe verkehren. In einer vor Gott geschlossenen Ehe werden Kinder auch zu der verheißenen Gabe und sind Ausdruck des göttlichen Segens, wie die Psalmen 127 und 128 deutlich beschreiben. Was also macht Familie aus? Die Familie will ein Ort sein, an dem gemeinsam Glauben gelebt wird und wo man entsprechend seines Charakters und der gottgegebenen Fähigkeiten einfach leben darf. Ein Mann und seine Frau dürfen in der Ehe die Freuden erleben, die Gott verspricht, wenn man sich an seine Satzungen hält. Die Kinder einer Familie, ob geboren oder ungeboren, deuten auf Segen hin und sollen im Glauben an den Dreieinigen Gott aufgezogen werden und es soll Platz für die Entfaltung ihrer Identität gegeben sein. Familie und Ehe sind ein wundervolles Geschenk in dem Gott sich offenbart. Im Epheserbrief wird die Ehe als „Geheimnis“ auf die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde hin gedeutet. Wir wollen wieder dazu kommen, dass sich die göttliche Liebe, mit der Christus die Gemeinde liebt und sich für sie hingibt, in unseren Ehen und Familien widerspiegelt.


 

7. Rückkehr zu reformatorischen Erkenntnissen

Wenn eine Rückkehr zu reformatorischen Erkenntnissen gefordert wird, ist als erstes die Frage zu stellen, was denn mit diesen „reformatorischen Erkenntnissen“ gemeint wäre. Meist spricht man bei dem Begriff „reformatorisch“ schlicht von der Theologie Luthers. Doch soll an dieser Stelle nicht so kurz gegriffen werden. So sind die „reformatorischen Erkenntnisse“ all jene Erkenntnisse, die wir in den Bekenntnisschriften der Kirchen der Reformation finden. Doch weder reformatorische Erkenntnisse noch die Bekenntnisschriften können aus sich selbst heraus Autorität beanspruchen oder enthalten in sich ruhende und für sich bestehende Wahrheiten. Alle gültige Erkenntnis und Wahrheit kommt allein aus dem in der ganzen Heiligen Schrift bezeugten apostolischen Evangelium heraus. Allein die Heilige Schrift und das apostolische Evangelium, welches sie bezeugt, ist die Autorität und der Maßstab, an der sich jedes reformatorische Bekenntnis und alle reformatorische Erkenntnis messen muss (sola scriptura).

Mitte reformatorischer Er- und Bekenntnisse ist die Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnade (sola gratia) durch den Glauben (sola fide) an Jesus Christus (solus christus). Das uns von den Aposteln überlieferte und in der Schrift bezeugte Evangelium darf hierzu nicht im Widerspruch stehen, denn dann wären alle reformatorischen Er- und Bekenntnisse gefährliche Irrlehren. Doch das apostolische Evangelium bezeugt Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, durch die wir gerechtfertigt sind aus Gnade durch Glauben.

Doch ist, wenn es um die Rückkehr zu reformatorischen Erkenntnissen geht, nicht nur zu fragen, was denn die „reformatorischen Erkenntnisse“ seien, sondern auch warum es der Rückkehr bedarf. Auf diese Frage gibt die erste These Martin Luthers 95 Thesen Antwort: „Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: `Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen´, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.“ Das griechische Wort für Buße, das wir im Neuen Testament und in der Septuaginta finden, lautet μετάνοια (griech. metanoja) und bedeutet wörtlich „um-denken“ bzw. „Umkehr des Denkens“. Das hebräische Wort für Buße שוב ist noch aufschlussreicher, kann man es doch mit „umkehren“, „wiederherstellen“ oder „zurückkommen“ übersetzen. So soll nach Luther unser ganzes Leben Buße, eine Umkehr, eine Rückkehr sein. Für Luther war Buße nichts anderes als eine Rückkehr unter die Taufe, eine Rückkehr hin zu Christus und seinem Tod und Auferstehen.

Wenn reformatorische Er- und Bekenntnisse nichts Anderes bezeugen als das in der Schrift gegebene apostolische Evangelium, so bezeugen sie nichts anderes, als Christus selbst, seinen Tod, seine Auferstehung und die dadurch gegebene Gnade Gottes. Damit ist eine Rückkehr zu den reformatorischen Erkenntnissen nichts anderes als die Rückkehr zu Christus, seinem Tod und Auferstehen und zu seiner Gnade. Der Rückkehr dorthin bedürfen wir immer wieder, unser ganzes Leben lang. Dieser Rückkehr bedürfen aber nicht nur wir persönlich, sondern auch unsere Gemeinden und unsere evangelischen Landeskirchen.

Damit ist der Ruf zur Rückkehr zu reformatorischen Erkenntnissen zuerst immer an uns selbst gerichtet, muss aber weit über uns hinausgehen, an alle evangelische Christen, Gemeinden und Kirchen. Es bleibt zu hoffen und zu beten, dass dieser Ruf gehört wird und eine neue Bewegung der Buße in unseren Kirchen entsteht. Es bleibt zu hoffen und zu beten, dass jeder Einzelne, der diesen Ruf hört (oder liest), tiefe Buße über sein Verlassen Christi und des apostolischen Evangeliums tut, umkehrt zu Christus und einsteht für seine Kirche im Gebet. Dort, wo dieser Ruf zur Umkehr gehört wird und besonders dort, wo er nicht gehört wird, bleibt einem jeden von uns zu bitten: Kyrie eleison! Christe eleison!